Einladung aus Angermünde, Teil II

 Komm und schreib mir was!

 … es geht weiter!

Am Samstag, den 18.3.2017 um 13:30 Uhr treffen wir uns wieder in Angermünde, um gemeinsam zu erzählen, zu spielen, zu schreiben und zu übersetzen. Der Veranstaltungsort ist diesmal das Projekthaus AHA, Schwedter Straße 22 in Angermünde.

Kinder, die mit dem Rufbus oder mit dem Zug am Bahnhof ankommen, holen wir dort persönlich ab und bringen sie wieder hin. Rufbus und/oder Fahrgemeinschaften können organisiert, Fahrtkosten aus umliegenden Orten ersetzt werden.

Alle, die schon einmal mitgemacht haben, sind herzlich eingeladen! Wir freuen uns aber auch über neue Kinder aller Sprachen, die dazukommen wollen. Das Angebot richtet sich an Kinder von 8-12 Jahren mit Fluchthintergrund und ihre Freunde.

Ab 16:30 ist offene Werkstatt – wir wollen unseren Eltern und Freunden zeigen, was bei unserem ersten Treffen im Dezember und am heutigen Tag entstanden ist. Wir lesen aus unseren Texten vor und beantworten Fragen dazu, was wir machen und wie es weitergeht.

ALLE, DIE DAS INTERESSIERT, SIND HERZLICH EINGELADEN!

Die Veranstaltung endet gegen 18:00 Uhr.

 Herzliche Grüße von Kathrin Janka und Gisela Lehmeier

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Texte aus Döbeln

Rani

Ich heiße Rani, bin 16 Jahre alt und komme aus Syrien. Ich möchte Ihnen über den Krieg in Syrien berichten und darüber, wie es dort mal war und wie es jetzt ist.

Syrien gehörte einst zu den schönsten und angesehensten Ländern der arabischen Welt. Das Land war für seine Sauberkeit, seine Ordnung und die Großzügigkeit seiner Leute bekannt. Es befinden sich dort viele schöne Basare und altertümliche Märkte. Darüber hinaus gibt es zahlreiche wunderbare Orte wie Aleppo, Hama, Al-Rakka, Deir ez-Zor, Homs, Daraa und die Region um den Hermon, wo sich die höchste Bergspitze Syriens befindet und im Winter immer viel Schnee liegt. Der Krieg hat jedoch vieles verändert. Sowohl in Damaskus als auch in anderen Teilen Syriens herrscht Zerstörung. Zahlreiche Menschen wurden vertrieben und viele Kinder getötet. Überall brennt es und es wird geplündert. Das alles schmerzt mich sehr. Es macht mich zutiefst traurig, hilflos dabei zusehen zu müssen, wie mein Land zerstört wird und viele Menschen ihr Leben verlieren. Ich wünsche mir, dass es in Syrien wieder wie früher wird – oder gar besser. Eines Tages möchte ich zurück, damit ich das Land gemeinsam mit meinen Freunden und meiner Familie wieder aufbaue. Dieser Gedanke macht mich sehr glücklich. Gelobt sei Gott in jedem Falle.

Hanin

Hallo, ich heiße Hanin. Ich wurde am 01.05.2006 geboren und komme aus der Stadt al-Hadschar al-Aswad im geliebten Syrien. Obwohl ich noch sehr jung bin, kann ich mich an eine schöne Zeit gemeinsam mit meiner Familie in der Heimat erinnern. Meine Familie besteht aus meinen Eltern, Großeltern und Geschwistern. Es war eine schöne Zeit, bis der Krieg zu uns nach Syrien kam. Ich weiß nicht, wieso dieser Krieg ausgebrochen ist. Jedes Mal, wenn wir Flugzeuge hörten, hatten meine Geschwister und ich schreckliche Angst. Sie kamen, um unsere Häuser zu bombardieren.

Mein Vater machte sich Sorgen um uns und beschloss, dass wir alle gemeinsam schnell aus Syrien flüchten. Zunächst ging es nach Ägypten und von dort aus später nach Libyen, wo wir drei Jahre lang lebten, bis der Krieg uns wieder heimsuchte.

Da kam meinem Vater der Gedanke, mit uns auf der Suche nach Frieden und Sicherheit nach Europa zu flüchten. Wohlwissend, dass er dabei sein Leben und unseres aufs Spiel setzen würde. Wir stiegen also in boote, die man „Todesboote“ nennt und fuhren damit in Richtung Italien. Gott sei Dank kamen wir dort unversehrt an. Von Italien aus ging es weiter nach Deutschland. Hier fühlen wir uns nun sicher. Ich danke Gott dafür, dass er mir und meiner Familie ein neues Leben schenkte. Ich danke auch meinem Vater dafür, dass er sich um uns sorgt.

Ich möchte mich auch im Namen meiner Familie bei den Menschen hier in Deutschland bedanken. Sie haben mir und meiner Familie sehr geholfen. Diesem großartigen Land gelten mein Dank und meine Wertschätzung. Ich bin hier sehr glücklich und wünsche den Leuten in Deutschland genauso viel Freude, wie sie uns bereiteten. Vielen Dank, Deutschland.

Aus der Werkstatt in Angermünde, Brandenburg

Unter Leitung von Kathrin Janka in Zusammenarbeit mit Gisela Lehmeier entstanden in Kleingruppen und mit Hilfe von theaterdidaktischen Spielen sowie im Rahmen einer „Wörter-Schnitzeljagd“ kleinere Texte – eine Fortsetzung der Workshops ist in Planung.

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Fotos: (c) Knut Gerwers

 

Gemeinschaftstexte aus der Werkstatt

„Ein Vogel, der sitzt auf einem alten Buch und drinne ist eine Feder. Er will seine Feder wiederhaben, damit er weiter fliegen kann.“

„Ein hungriger Wolf“ von Marwa und Muhammad

„Es war einmal ein Wolf, der viel Hunger hatte. Er hatte ein Eichhörnchen gesehen und er wollte ihn essen. «Hallo, du würstlein, ich will dich fressen,» sagte der Wolf. «Was habe ich gemacht, ich bin so klein.», sagte das Einchhörnchen, «Du wirst nicht satt.» Der Wolf überlegte: Ja, du hast Recht, ich bin so dumm, wir sind doch Freunde.» Am Ende sind sie Freunde geworden, und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“

Aus dem Workshop in der Bibliothek Luisenbad, Berlin

Einblicke von den Schreibwerkstätten mit Leila Chamma und Ilke S. Prick in Berlin:

Wer wir sind

Ich bin Morteza. Ich komme aus Afghanistan.
Ich bin 17 Jahre alt. Ich wohne in Berlin.
Warum wohne ich in Berlin?
Weil in Afghanistan Krieg war. Und ich wollte lernen und leben, aber ich konnte es nicht. Jetzt lebe ich in Deutschland und ich kann alles: Lernen, spielen und leben.
Ich möchte eine Ausbildung machen und ein Ingenieur für Motortechnik werden.
Wie leben die Menschen in Deutschland?
Die Menschen sind sehr nett, aber ganz ruhig. Sehr frei, aber sie arbeiten viel.
Ich wünsche, dass in Afghanistan Frieden wird, und ich hoffe, es ist kein Traum.
Morteza

Hallo,
ich bin Jamal Al Turki. Ich komme aus Syrien.
Ich habe Glück, weil ich in Berlin bin.
Meine Familie ist nicht mit. Ich bin alleine in Berlin.
Der Krieg hat alles geraubt.
Ich möchte mein Leben neu anfangen.
Mein Ziel ist, Architektur zu studieren.
Ich träume von einem glücklichen Leben.
Ich hatte und habe viele Probleme, aber ich versuche, ihnen aus dem Weg zu gehen.
Ich will mehr Deutsch reden. Ich will Deutsch in der Schule lernen und nicht auf der Straße, denn ich möchte ganz gut Deutsch reden.
Es gibt viele Termine in Deutschland.
Ich muss die Sprache respektvoll sprechen mit „Sie“, nicht mit „du“.
Hier in Berlin sind die Menschen alle nett. Wenn ich einen Termin habe oder im Supermarkt bin, helfen sie.
Ich danke den Menschen, dass sie mich verstehen.
Ende
Jamal

Ich bin Hamza.
Ich wohne in Berlin und meine Familie wohnt auch in Berlin. Ich habe einen Bruder und eine Schwester. Ich lerne in der Max-Taut-Schule und ich muss Deutsch lernen. Am Wochenende treffe ich meine Freunde. Wir sitzen und reden.
Ich habe kein Glück. Nichts klappt.
Ich treffe ein Mädchen. Nichts klappt.
Ich fasse etwas an und es geht kaputt.
Ich hatte im Libanon Erinnerungen und jetzt ist alles weg.
Hamza

 

Wer wir werden wollen. Eine Zeitreise in das Jahr 2022

Hallo.
Heute ist der 16.1.2022 und ich bin ein Ingenieur für Motortechnik. Ich wohne in München und habe eine Wohnung und ein Auto. Ich bin verheiratet. Meine Frau ist Kurdin. Wir sind sehr glücklich und wir haben ein Kind. Es geht jeden Tag in den Kindergarten.
Meine Arbeit ist cool und macht mir Spaß.
Hier ist alles klar, und wir möchten immer zusammen bleiben, bis zum Ende. Ich bin sehr glücklich und möchte, dass alles so bleibt.
Morteza

Heute ist der 16.1.2022.
Ich studiere Architektur in Berlin und ich habe eine Freundin.
Wir verstehen uns. Wir möchten heiraten. Wir träumen von Kindern.
Ich wohne in der Osloer Straße.
In meinem Land gibt es keinen Krieg. Es ist Frieden. Alle Menschen bauen das Land wieder auf.
Jamal

Ich bin verheiratet.
Ich kann besser schlafen.
Ich möchte Krankenpfleger werden.
Hamza

           Schreibwerkstatt "In zwei Sprachen zu Hause", 19.12.2016, Bibliothek am Luisenbad, Berlin

Schreibwerkstatt "In zwei Sprachen zu Hause", 19.12.2016, Bibliothek am Luisenbad, Berlin

Fotos: (c) Tobias Bohm