In zwei Sprachen zuhause als World Café

Im Rahmen des Projekts „Übersetzer unter Schülern“, eine Kooperation des Literarischen Colloquiums und dem Deutschen Übersetzerfonds mit dem Drei-Linden-Gymnasium in Zehlendorf/Wannsee wurde das Konzept der Erzählwerkstätten“In zwei Sprachen zuhause“ mit den Willkommens- und Übergangsklassen des Gymnasiums weitergeführt. Unter Leitung von Leila Chammaa geht es diesmal um das Übertragen von Sprichwörtern. Was haben wir unter anderm gelernt:

Lügen sind eine Sackgasse.
Der frühe Vogel fängt den Wurm.
Die Kapuze nach dem Regen aufsetzen.
Spiel nicht mit dem Schwanz des Löwen (die arabische Version von Spiel nicht mit dem Feuer).

Das Projekt wird durch den Projektfonds Kulturelle Bildung gefördert.

World Cafe mit Leila Chammaa, Drei-Linden-Gymnasium Berlin, Fotos: Tobias Bohm

Die Bücher sind da!

 

 

 

 

 

 

 

Sie sind da! Die Geschichten der Kinder und Jugendlichen, die bei unserem Erzählprojekt „In zwei Sprachen zuhause“ mitgewirkt haben.

Die Publikation ist in der Geschäftsstelle des Deutschen Übersetzerfonds erhältlich; wer zu den Jubiläumsfeierlichkeiten kommende Woche kommt, kann sich dort ein Exemplar mitnehmen. Kommt und lest zahlreich!

Wir danken allen, die das Projekt ermöglicht und umgesetzt haben und hoffen, dass möglichst viele Bücher die jungen AutorInnen erreichen.

Und wünschen allen teilnehmenden Kindern und Jugendlichen, dass sie, wie Asma aus Afghanistan schreibt, an sich glauben und niemals aufgeben.

www.inzweisprachenzuhause.org

In weiteren Städten zuhause

Das Konzept von „In zwei Sprachen zuhause“ wurde vom Poetenfest Erlangen adaptiert, wo Übersetzerin Larissa Bender mit Unterstützung des Autors Hamed Abboud einen Workshop für geflüchtete Kinder und Jugendliche leitete.

Wir freuen uns, dass das Erzählprojekt Kreise zieht!

Die Erlanger Nachrichten berichteten über die Lesung mit den jungen AutorInnen, die zum Teil von den ca. 50 PublikumsteilnehmerInnen wohl etwas eingeschüchtert waren:

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Projekt für Geflüchtete überraschte am Erlanger Poetenfest

Acht junge Menschen berichteten über ihre Erfahrungen – 29.08.2017 15:00 Uhr

Sprache als wichtiger Schritt zur Integration: Die Workshop-Teilnehmer im Botanischen Garten.
Sprache als wichtiger Schritt zur Integration: Die Workshop-Teilnehmer im Botanischen Garten. © Georg Pöhlein

 

„Malak ist frei – und sie soll es auch bleiben.“ Die junge Frau aus Syrien hat den letzten Satz ihres Textes in der dritten Person geschrieben. Als ob sie immer noch etwas überrascht auf sich selbst blickt. Was sie dabei sehen kann?: Ein zierliches Mädchen, staunend in einer neuen Heimat. Ein Land, in dem Männer in der Küche mithelfen, Mädchen Fahrrad fahren und ihre Meinung sagen dürfen.

Im Rahmen des Poetenfests haben sich unter dem Motto „Ankommen in Deutschland“ acht junge Menschen zusammengefunden, um mit der Übersetzerin Larissa Bender und dem Autor Hamed Abboud über sich und ihre Erfahrungen Texte zu verfassen. Nun sie sitzen auf einer Wiese im Botanischen Garten vor ein paar Dutzend Neugierigen, halten Mikrofone in der Hand und sind sichtbar nervös. Kein Wunder. Die meisten haben jenseits der Schule oder eines Tagebuchs noch nie Texte geschrieben, die dann auch noch vorgelesen werden sollen. Doch Al Saffan und Bender gelingt es schnell, die Unsicherheit beiseite zu wischen. „Heute sind wir hier alle für euch wie eine große Familie.“

Aufmerksam und bewegt hört das Publikum zu, wenn beispielsweise immer wieder von der Dankbarkeit berichtet wird, die diese jungen Menschen den Deutschen gegenüber empfinden.

Fast alle hoffen irgendwann einen Beruf ergreifen zu können, mit dem sie anderen Menschen helfen können. Sei es nun als Arzt, Erzieherin oder Ingenieur. Im Idealfall, in der alten Heimat — wenn dort endlich wieder Frieden herrscht.

Es geht viel um Wünsche und Träume in den kurzen Texten, die zum Teil auf Arabisch verfasst und dann übersetzt wurden oder gleich auf Deutsch entstanden sind. Zudem rücken die Besonderheiten in den Fokus, die in Deutschland auffallen. Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Höflichkeit — aber auch seltsame Ringe in der Nase und der erstaunliche Alkoholkonsum der Menschen. Oder — passend zum Poetenfest: „Das deutsche Volk besteht aus Bücherwürmern.“

Dem Literatur-Nachwuchs ist der Spaß anzumerken. Und Bender und Abboud staunen mit dem Publikum zu Recht über das eine oder andere Dichter-Talent. Auch die Poetenfest-Macher sind — trotz großem Organisationsaufwand — von der Wichtigkeit dieses Beitrags zur Integration überzeugt. Eine Wiederholung im kommenden Jahr ist fest angepeilt.

Link zum Artikel:http://cdn.nordbayern.de/region/erlangen/projekt-fur-gefluchtete-uberraschte-am-erlanger-poetenfest-1.6555531

Link zur Veranstaltung: http://poetenfest-erlangen.de/eventdetail.asp?EventID=480&VonSeite=events.asp

Flaschenpost an den verschollenen Vater

Aus der Schreibwerkstatt in Stuttgart-Bad Cannstatt

 

Hallo Papa,

seit drei Jahren habe ich Dich nicht gesehen und ich weiß nicht, wie es Dir geht. Ich hoffe, dass es Dir gut geht. Ich wünschte ich könnte Dich wiedersehen.

Mir geht es gut. Ich wohne mit einer netten Frau zusammen und sie passt gut auf mich auf.

Ich lag alleine unter dem Baum am Straßenrand. Dort hat mich eine liebe Frau gefunden. Sie passt gut auf mich auf. Sie hat für mich eine Freundin gefunden und wenn sie nicht zuhause ist, passt die Freundin auf mich auf.

Lieber Papa, ich vermisse Dich. Manchmal weine ich nachts, weil ich so traurig bin und Dich so lange nicht gesehen habe. Ich weiß nicht wo meine Geschwister sind und wo meine Mutter ist.

Heute sitze ich mit ein paar lieben Freundinnen zusammen, die mir helfen, Dir diesen Brief zu schreiben.

Viele liebe Grüße,
Deine Tochter M